Was wir über die süße Versuchung wissen sollten

 von Bianka Schönbrunn

Schokolade zählt zu den beliebtesten Speisen überhaupt. Eis, Pudding, Kuchen, Pralinen oder Kakaodrink – sie begegnet uns in vielen verschiedenen Variationen. Fast unmöglich scheint es für einige, ihr zu widerstehen. Egal, denn Schokolade macht ja bekanntermaßen glücklich… Und doch: Konnten wir wieder einmal nicht die Finger von der leckeren Kalorienbombe lassen, so nagt an uns das schlechte Gewissen.

Woher kommt der Kultstatus der populären Süßigkeit, die vermutlich schon so manches Fitnessprogramm torpediert hat? Was ist dran an der glücklichmachenden Wirkung der Schokolade? Oder ist das Aberglaube und sie ist am Ende doch nur ein fieser Dickmacher, der unsere sportlichen Erfolge zunichtemacht?

Speise der Götter. So bezeichnete der schwedische Naturforscher Carl von Linné das Gewächs „Theobroma cacao“, den Kakaobaum. Die Pflanze war seit jeher kostbar. Ihre ersten großen Liebhaber fand sie unter den Völkern der Maya und Azteken in Mittel- und Südamerika, wo bereits vor rund 3000 Jahren der Kakaobaum kultiviert wurde. Der Schlangengott Quetzalcoatl habe die Schokolade als Geschenk an die Menschheit erschaffen, so besagt eine Legende. Dieser zufolge existiert der Kakaobaum, um die Menschen glücklicher zu machen – umso mehr Probleme in der Welt, umso mehr wächst der Kakao. Doch in der Realität war Trinkschokolade – welche damals übrigens oft mit Chilipulver gemischt wurde und so gar nicht süß schmeckte – ein sehr wertvolles Luxusgut und blieb wohlhabenden Familien vorbehalten, ähnlich wie Champagner heute.

Bestseller. Die spanischen Eroberer waren es, die den Kakao mit Rohrzucker, Zimt oder Anis mischten und ihm mit ihrer Rezeptur den heute bekannten süßen Geschmack verliehen. Vermutlich kam die Kakaobohne mit Hernan Cortéz im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie kein bisschen an Beliebtheit einbüßte. In Form von Trinkschokolade erfreute sie bald die Gaumen der Menschen auf dem gesamten Kontinent. Im Zuge der industriellen Revolution entstanden die ersten Schokoladenmanufakturen, in denen der Schokolade auch ihre heutzutage so beliebte Tafelform verliehen wurde. So wandelte sie sich von einem teuren Gut zu einer Speise für jedermann.

Glücklichmacher. Tatsächlich enthält die Kakaobohne die Substanzen Anadamid und Phenylalanin. Diese sind auch in Drogen wie Haschisch und Morphium enthalten. Sie sorgen dafür, dass die körpereigenen Glückshormone Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden. Aufgrund dieser Tatsache wird Schokolade oft eine Gute-Laune-Wirkung nachgesagt. Allerdings kommt hier eher der Placebo-Effekt zum Tragen, denn die erwähnten Substanzen sind im Kakao nur in Spuren enthalten und man müsste schon eine sehr große Menge an Schokolade essen, um eine Wirkung zu spüren.

Kalorienbombe. Wer in der Süßwarenabteilung den handelsüblichen Kakaoprodukten nicht widerstehen kann, nimmt eine große Menge an Fett und Zucker – und somit Kalorien – zu sich, welche sich womöglich dann an Stellen wiederfinden, wo wir sie nicht haben wollen. Besonders viel Fett und Zucker befindet sich in den hellen Typen wie Milchschokolade oder weiße Schokolade. Deshalb empfiehlt es sich, lieber die Industrievariante im Regal liegen zu lassen und stattdessen Qualitätsware und einen hohen Kakaoanteil zu wählen, beispielsweise dunkle Zartbitterschokolade. Noch besser ist 100%iger Kakao, dessen bitterer Geschmack mit Zimt oder Honig gemildert werden kann.

Gesunder Genuss. Hochwertiger Kakao ist ein exzellenter Brennstoff für Herz und Nerven. Die Kakaobohne ist ein wahrer Alleskönner: Sie enthält rund 300 gesunde Pflanzen- und Nährstoffe. Darunter befinden sich durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Substanzen, welche die Elastizität der Blutgefäße verbessern und lebensgefährlichen Ablagerungen vorbeugen können. Die im Kakao enthaltenen Alkaloide Koffein und Theobromin wirken stimulierend auf das zentrale Nervensystem und beleben so den Organismus. Und auch ein krebsschützendes Potential kann den Stoffen in der vielseitigen Bohne zugeschrieben werden.

Übertreiben wie der Aztekenherrscher Montezuma, welcher als einer der glühendsten Verehrer der Kakaobohne bekannt ist und angeblich bis zu 50 Becher Trinkschokolade pro Tag zu sich genommen haben soll, müssen wir vielleicht nicht gerade. Aber solange wir bei der hochwertigen Variante der süßen Speise bleiben, ist es gar nicht schlimm, wenn wir der Versuchung namens Schokolade wieder einmal nicht widerstehen konnten.

Text und Bild: B. Schönbrunn

 

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