von Bianka Schönbrunn

Tee ist mehr als nur ein Durstlöscher: In der kalten Jahreszeit wärmt er uns von innen und verwöhnt unsere Geschmacksnerven mit fruchtigen, vitalisierenden oder entspannend wirkenden Aromen. Und natürlich ist Tee gesund, das weiß jeder.

Bei so vielen positiven Eigenschaften ist es kaum verwunderlich, dass Tee heute nach Wasser das weltweit am meisten verzehrte Getränk ist. Doch Tee ist nicht gleich Tee. Es gibt ihn in den verschiedensten Sorten und Mischungen, die unterschiedliche Merkmale und Wirkungsweisen mit sich bringen.

Im Folgenden erfahren Sie, welche gesundheitsfördernden Effekte die verschiedenen Sorten besitzen und welcher Tee wo in die Tassen kommt.

China: das Heimatland des Tees

Ihren Ursprung hat die Kultur des Teetrinkens im Reich der Mitte, wo die Teepflanze bereits seit rund 5000 Jahren bekannt ist. Der Legende zufolge soll der chinesische Kaiser Shen Nong eher zufällig die erste Tasse Tee genossen haben: Als er nach einem Jagdausflug unter einem Baum rastete und einen Becher heißes Wasser trinken wollte, wehte der Wind ein Teeblatt in diesen und aromatisierte das Wasser. Der Kaiser fühlte sich durch das entstandene Gebräu sogleich neu belebt und der Siegeszug des Tees begann.

Die älteste Form des Teegenusses stellen die vier klassischen Teearten dar: grün, schwarz, weiß sowie Oolong. Sie alle werden aus der ursprünglichen Teepflanze, Camellia sinensis, hergestellt. Die unterschiedliche Verarbeitung der Teeblätter bestimmt, welche Sorte am Ende daraus wird.

Zur Herstellung des sanften weißen Tees werden ausschließlich junge Triebe der Teepflanze verwendet, welche lediglich getrocknet werden. Grüntee ist die ursprünglichste Zubereitungsform, bei der die Teeblätter erst erhitzt, dann gerollt und getrocknet werden. Bei der Gewinnung von schwarzem Tee hingegen wird zuerst gerollt, wodurch die Zellwände des Teeblattes aufgebrechen und mit Sauerstoff reagieren: Der Tee fermentiert und erhält so seine charakteristische dunkle Farbe. Die Teesorte Oolong (abgeleitet vom chinesischen „Wu Long“ = schwarzer Drache) ist eine Mischform aus schwarzem und grünem Tee, bei deren Verarbeitung nur die Blattränder angerissen werden. Sehr gebräuchlich ist in China auch das Aromatisieren von Tee durch Blüten wie zum Beispiel Jasmin.

Japan: gemeinsamer Genuss nach strengem Zeremoniell 

Grüner Tee ist die beliebteste Variante des Heißgetränks in Japan. Genau genommen ist der als ursprünglichste aller Teearten betrachtete Grüntee sogar die einzige Sorte, die im Land der aufgehenden Sonne produziert wird. Dies allerdings in vielen verschiedenen Mischungen: beispielsweise als klassischer Sencha, lieblich-leichter Gyokuro oder konzentrierter Matcha.

Die Japaner schätzen das aromatische Aufgussgetränk nicht nur aufgrund seines Geschmacks. Sie betteten das Teetrinken tief in ihre Kultur ein. Chanoyu, die japanische Teezeremonie, stellt ein fast schon religiöses Ritual dar, das seit rund 600 Jahren unverändert geblieben ist. In einem speziellen Teeraum werden gemeinsam mehrere Schalen Tee genossen, welche der Gastgeber persönlich nach einem streng einzuhaltenden Ablauf zubereitet.

Grüntee gilt als besonders gesund und vitalisierend. Er enthält hunderte Pflanzenwirkstoffe – darunter das heilungsfördernde Catechin, das beim Vorbeugen von Karies und Lindern von Zahnfleischerkrankungen behilflich sein kann. Die anregende Wirkung des grünen Tees kurbelt den Stoffwechsel an und sein hoher Bitterstoffgehalt zügelt den Appetit auf Süßes, womit er sich bestens als Unterstützung beim Abnehmen eignet. Zudem helfen seine Inhaltsstoffe, den Cholesterinspiegel zu senken und das Herzinfarktrisiko zu verringern.

Teeschalen

England: Treffen zum traditionellen “five o’clock tea“

Um das Jahr 1600 gelangte der Tee über die portugiesische Kolonie Macao nach Europa. Warum Tee im Folgenden gerade in England einen so beispiellosen Erfolg hatte und dort Kaffee als beliebtestes Heißgetränk ablösen konnte, bleibt bis heute ungeklärt. Fakt ist, dass der Teegenuss aus der englischen Gesellschaft kaum wegzudenken ist.

Oftmals startet der Engländer mit einer Tasse “early morning tea“ zum Wachwerden in den Tag. Eine besonders wichtige Tradition ist der nachmittägliche “five o’clock tea“. Am liebsten sind dem Engländer dabei Schwarztee-Mischungen wie Earl Grey oder Orange Pekoe, welche zusammen mit Gebäck gereicht werden. Der starke Geschmack des Schwarztees wird üblicherweise durch das Zugeben von Milch, Zitrone oder Zucker verändert.

Schwarzer Tee weist unter allen Teesorten den höchsten Koffeingehalt auf. Lässt man ihn nur kurze Zeit ziehen, wirkt er daher anregend und macht munter. Ab einer Ziehdauer von etwa 3 bis 4 Minuten werden vermehrt Gerbstoffe freigesetzt, wodurch der Schwarztee an Bitterkeit zunimmt und seine stimulierende Wirkung verliert. Allerdings besitzen die Gerbstoffe eine schmerzlindernde und antibakterielle Wirkung, was beispielsweise bei Durchfallerkrankungen hilfreich sein kann. Des Weiteren wirkt der regelmäßige Genuss von schwarzem Tee blutdrucksenkend.

Indien: Ayurveda und Gewürztee-Mischungen

Indien ist eine weitere Hochburg des Teeanbaus und Teegenusses. Auch in der ehemals britischen Kolonie erfreuen sich Schwarztee-Mischungen größter Beliebtheit. Weitläufige Anbaugebiete von Schwarztees wie Darjeeling oder Assam befinden sich vor allem in den Himalaja-Regionen und den Gebieten seitlich des Flusses Brahmaputra. Überdies hat Tee in der indischen Kultur einen hohen Stellenwert. So ist er fester Bestandteil des Ayurveda, der indischen „Wissenschaft vom Leben“, welche darauf abzielt, die Einheit von Körper und Geist zu stärken.

Eine Besonderheit stellt in Indien die Vorliebe für Gewürztees dar. Vornehmlich schwarze Tees werden gern mit Gewürzen wie Kardamom, Ingwer oder Masala vermengt. Die bekannteste unter diesen Mischungen ist der Chai. Die sogenannten Yogi-Tees bestehen traditionell sogar ausschließlich aus Gewürzen.

Deutschland: Vielfalt der Kräuter- und Früchtetees

Streng genommen dürften sich die in Deutschland so beliebten Kräuter- und Früchtetees gar nicht Tee nennen, denn sie werden nicht aus der klassischen Teepflanze hergestellt und enthalten somit kein Tein. Stattdessen werden sie aus Kräutern, Blüten, Früchten oder Wurzeln gewonnen. Einige der so erzeugten Aufgüsse sind bereits seit dem Mittelalter als Medizin bekannt.

So vielfältig wie die für die Aufgussgetränke verwendeten Pflanzen sind auch ihre Wirkungsweisen. Früchtetees enthalten meist eine große Menge an Vitaminen und Mineralstoffen. Kräutertees dagegen versprechen Linderung bei den verschiedensten Beschwerden. So können sie, je nach Zutatenliste, beispielsweise appetitanregend, verdauungsfördernd, entgiftend oder schmerzlindernd wirken.

Egal ob zum Wärmen, Beleben, Entspannen oder Durstlöschen: Trinken Sie doch mal wieder eine Tasse Tee! Welche Sorte, bestimmen Sie selbst. Ganz gleich, welche Sie wählen – Sie tun sich auf jeden Fall etwas Gutes, denn jede Mischung hat ihre Vorzüge.

Text und Bild: B. Schönbrunn

 

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