von Bianka Schönbrunn

 

Ich gebe es zu.

Ich bin ihm verfallen.

Ein jeder Morgen wäre trostlos, ja fast schon sinnlos. Ohne die erste Tasse Kaffee wäre der Tag vermutlich bereits gelaufen bevor er begonnen hätte. Wie ein Lebenselixir brauche ich ihn, um morgens erst in Schwung zu kommen. Spätestens wenn dann das Formtief am Nachmittag einsetzt, genehmige ich mir gern noch eine Tasse.

Und da bin ich nicht allein: Im Durchschnitt trinkt jeder Bundesbürger 150 Liter Kaffee pro Jahr. Damit ist das „schwarze Gold“ das beliebteste Getränk der Deutschen – noch vor Bier.

Kaffee gilt als Genussmittel und Energiequelle zugleich. Wacher soll er uns machen. Und aufmerksamer. Auch als Fitnessgetränk soll Kaffee bestens geeignet sein, denn ihm wird oft die Wirkung zugeschrieben, unsere sportlichen Leistungen zu fördern. Beim Abnehmen soll er uns ebenfalls helfen können.

Stimmt das wirklich? Oder ist Kaffee am Ende doch nicht so gut für uns? Auch negative Eigenschaften werden dem beliebten Heißgetränk oft nachgesagt. Genauso wie Drogen soll Kaffee das Potential besitzen, uns süchtig zu machen und sogar gefährlich für unsere Gesundheit sein.

Viele Mythen und widersprüchliche Aussagen ranken sich um das Lieblingsgetränk der Deutschen. Doch welche entsprechen der Wahrheit? Und wie sieht es nun mit Sport und Kaffee aus? Passt das zusammen oder sollte ich als Sportler doch lieber die Finger davon lassen? Finden wir es heraus.

Ist Kaffee tatsächlich ein „Muntermacher“?

Die meisten von uns wissen aus eigener Erfahrung, dass ein bis zwei Tassen Kaffee uns wacher und konzentrierter werden lassen. Etwa drei von vier Deutschen machen sich diese Wirkung täglich zu Nutzen. Woher kommt der Effekt? Nun, der im Kaffee enthaltene Wirkstoff Koffein ist eigentlich ein Insektengift, welches von der Kaffeebohne gebildet wird, um sich gegen die unliebsamen kleinen Besucher zu schützen – sozusagen ein natürliches Pestizid, das übrigens außer in der Kaffeebohne noch in etwa 60 weiteren Pflanzen vorkommt.

Nimmt ein Mensch ein Nahrungsmittel zu sich, welches das Stimulans Koffein enthält, passiert im Körper Folgendes: Der Wirkstoff geht rasch in den Blutkreislauf über und fördert die Produktion des Stresshormons Adrenalin. Dieses wird beispielsweise auch ausgeschüttet, wenn wir Angst haben. Die Herzfrequenz erhöht sich. Die Pupillen weiten sich. Der Körper ist in den Alarmzustand versetzt und nun für alles bereit, was kommen könnte.

Gleichzeitig blockiert das Koffein im Gehirn die beruhigend wirkende Substanz Adenosin. Diese lagert sich im Laufe des Tages im Körper an und sorgt dafür, dass wir müde werden. Durch sie wird dem Körper normalerweise mitgeteilt, wann es Zeit ist, schlafen zu gehen. Der Genuss von Kaffee verzögert diesen Prozess. Er kann uns also in der Tat munterer machen.

Kann ein Kaffee vor dem Training die körperliche Leistung fördern?

Dem Wirkstoff Koffein wird oft nachgesagt, die körperliche Leistung beeinflussen zu können. Die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) führte ihn sogar eine Zeit lang auf ihrer Liste der verbotenen Substanzen. Ist diese Theorie richtig? Hilft es, sich bereits vor dem Training eine Tasse Kaffee zu gönnen, um bessere Resultate beim Sport zu erzielen?

Die Auswirkungen von Koffein auf die Leistungsfähigkeit werden bereits seit den 1970er Jahren wissenschaftlich untersucht. Und tatsächlich deuten viele Forschungsergebnisse darauf hin, dass der Genuss von Kaffee leistungssteigernd wirkt. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich durch die Einnahme von Koffein die Blutgefäße in Armen und Beinen sowie die Bronchien erweitern und sich die Herzfrequenz erhöht. So führt eine verbesserte Durchblutung zu mehr Leistungsfähigkeit. Zudem können beim Abbau von Koffein einige Verbindungen entstehen, welche die Leistung von Herz und Lunge ankurbeln.

Da Koffein auch die Schmerztoleranz erhöht und damit für mehr Durchhaltevermögen sorgt, ist es besonders bei Ausdauersportlern beliebt. Rund eine Stunde vor der Belastung zu sich genommen, entfaltet es seine größte Wirkung bei Aktivitäten, die 30 bis 120 Minuten dauern. Die Annahme stimmt also. Trinken wir vor dem Training einen Kaffee, können wir unsere sportliche Leistung in der Tat positiv beeinflussen.

Und der Kaffee nach dem Training?

Auch hier gute Nachrichten: Das Kaffeetrinken ist nicht nur vor dem Workout, sondern auch im Anschluss daran empfehlenswert. Wer sich sein heißes Lieblingsgetränk als Belohnung nach dem Training gönnt, kann ebenfalls noch von dessen Wirkung profitieren. Kaffee ist auch beim schnelleren Auffüllen der Energiespeicher behilflich, denn Koffein fördert die Bildung von Glykogen, einem der Energieträger im Körper.

Der Vielfachzucker Glykogen sorgt dafür, dass Muskeln kontrahieren und somit arbeiten können. Wenn wir trainieren, verbraucht der Körper besonders viel davon – je härter die Belastung, desto mehr. Nach dem Training muss es wieder neu gebildet werden. Australische Forscher fanden heraus, dass Koffein die Bildung von Glykogen sogar bis zu 66% beschleunigen kann.

Wie sollte ich meinen Kaffee am besten trinken?

Kaffeegetränke begegnen uns heute in vielen verschiedenen Formen und Variationen: als klassischer Bohnenkaffee, starker Espresso, milchiger Latte Macchiato oder süßer Frappuccino. Sind sie alle gleichermaßen geeignet, um uns beim Workout zu unterstützen?

Nein, sind sie nicht. Es spielt durchaus eine Rolle, welches Kaffeegetränk wir zum Sport wählen. Neben den bereits erwähnten Vorteilen bringt Kaffee nämlich einen weiteren positiven Effekt mit sich: Das in ihm enthaltene Hormon Noadrenalin heizt zusätzlich die Fettverbrennung an. Allerdings nur dann, wenn auf Zucker und Milch im Kaffee verzichtet wird, denn diese würden den Fettstoffwechsel wiederum blockieren.

Wer abnehmen möchte, sollte deshalb bei Espresso oder schwarzem Kaffee bleiben. Zudem enthalten die Milch im Cappuccino oder der Sirup im Frappuccino immer auch zusätzliche Kalorien.

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Kann Kaffee süchtig machen?

Es ist wahr. Ähnlich wie bei Drogen gewöhnen sich unsere Körper an das im Kaffee enthaltene Koffein. Wer dem aromatischen Heißgetränk verfallen ist, hat vermutlich fast immer etwas davon im Blut und spürt daher Entzugssymptome, wenn er seine „tägliche Dosis“ nicht erhält.

Die Erklärung dafür liegt im Zusammenspiel von Koffein und Adenosin. Um der aufputschenden Wirkung des Koffeins entgegenzuwirken, produzieren die Körper von Gewohnheitskaffeetrinkern permanent auch mehr müde machendes Adenosin. Bleibt die Koffeinzufuhr aus, ist dieses Gleichgewicht gestört. Wir fühlen uns schläfrig und es ist kaum noch möglich „normal zu funktionieren“.

Aber keine Sorge, der Prozess ist umkehrbar. Genauso wie wir uns das Kaffeetrinken angewöhnen können, ist es möglich sich wieder vom Kaffee zu entwöhnen. Etwa 7 Tage dauert es bis sich bei anhaltender Kaffee-Abstinenz auch die Produktion des Hormons Adenosin wieder angepasst hat. Für Leistungssportler kann es durchaus sinnvoll sein, vor Wettkämpfen eine Zeit lang auf Kaffee zu verzichten, denn so können sie den Koffein-Kick besser für sich nutzen als gewohnheitsmäßige Kaffeetrinker.

Übrigens, eine „Überdosis Kaffee“ zu sich zu nehmen ist quasi unmöglich. Trinken wir viel Kaffee innerhalb von kurzer Zeit, verspüren wir zwar Unruhe, haben Schlafstörungen oder bekommen Magenprobleme, aber wirklich gefährlich ist dies noch nicht. Eine Tasse Kaffee enthält durchschnittlich 100 Milligramm Koffein. Die für einen Menschen tödliche Dosis beträgt 15 Gramm. Um diese Konzentration zu erreichen, müsste man rund 150 Tassen starken Kaffee innerhalb von wenigen Stunden trinken – eine Menge, die wohl selbst der größte Kaffee-Junkie kaum bewältigen kann.

Also, liebe Mit-Kaffeetrinker, wir können ganz beruhigt sein. Wir machen alles richtig und können uns weiterhin der allmorgendlichen Tasse Kaffee widmen ohne uns wegen unseres Konsums schlecht fühlen zu müssen. Und das perfekte Sportgetränk haben wir ganz nebenbei auch schon längst gefunden.

Text und Bild: B. Schönbrunn

 

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